Aus und vorbei! Wie trennt man sich richtig?

Schluss machen – wie man eine Beziehung fair beendet

Trennung ,Schluss machen

Ines kommt mit einem besonderen Anliegen in meine Hamburger Praxis „Herzkümmerei“. Nach langem Hin und Her, vielen Gesprächen mit Freunden und Familie steht ihr Entschluss nun endgültig fest. „Ich will mich endlich trennen“, sagt sie mit fester Stimme. Sie schätze ihren Noch-Partner Michael sehr, aber die Liebe habe sich langsam aber sicher verabschiedet. „Wird schon wieder werden“ haben beide lange Zeit gedacht. „Das ist nur eine Phase“ haben beide gehofft. Aber auch eine Paartherapie hat sie nicht wieder zueinander gebracht, zu sehr haben sie sich in den letzten Jahren auseinanderentwickelt. „Unsere Wünsche und Ziele lassen sich einfach nicht mehr miteinander verbinden“, sagt Ines mit klarer Stimme. Aber vor dem letzten finalen Schritt hat Ines Angst, das wird im Laufe des Gesprächs klar. Ihre Frage: Wie kann ich die Beziehung zu Michael möglichst fair beenden und dabei die Verletzungen so gering wie möglich halten? Hier meine Überlegungen und Empfehlungen zum Thema Trennung.     

 

 

    

Trennung braucht Mut und Entschlossenheit 

Das Beispiel Ines zeigt: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass nur der leidet, der verlassen wird. In den meisten Fällen leiden beide Partner darunter, wenn der Schalter auf „Beziehung beenden“ gestellt wird. Derjenige, der verlässt, hat es tatsächlich aber auch nicht ganz einfach, nimmt er doch die Verantwortung auf seine Schultern. Das spürt auch Anna! Dieser Schritt fordert Mut und Konsequenz, vor allem, wenn man sich nach wie vor als Mensch schätzt und mag. Doch wenn die Entscheidung – wie bei Anna – so gut überlegt und ausgereift ist, dann ist es auch gut, dazu zu stehen. Auch Michael hat aus meine Sicht längst  – spätestens seit der Paartherapie –  realisiert, dass die Beziehung nicht mehr in Ordnung ist. Vielleicht hat er ja selber auch schon mit dem Gedanken an eine Trennung gespielt, wollte aber die Entscheidung für das Beziehungs-Aus nicht treffen. Mach dir klar: Auch wenn der Schritt schmerzhaft ist, so bietet er doch auch viele Chancen. Du bist der Gestalter deines Lebens! Aber in paar Regeln solltest du doch beachten.  

 

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Sei respektvoll!

Eine Trennung tut immer weh! Du kannst deinem Partner den Schmerz nicht ersparen, aber du kannst dazu beitragen, dass die Wunden nicht tiefer als nötig werden. Wahre den Respekt vor deinem Partner, was immer auch der Grund für das Beziehungsende ist. Auch wenn Mangel an Respekt einer deiner Trennungsgründe sein sollte, dann versuche es besser zu machen. Bewahre – auch in deinem eigenen Interesse – die Erinnerung an die guten Zeiten und die tiefen Gefühle, die ihr einmal füreinander hattet. Vielleicht habt ihr gemeinsame Kinder – dann ist es umso wichtiger, wie ihr auseinander geht. Wenn eine Familie zerbricht, gibt es weiterhin noch viel zu besprechen. Auch wenn ihr als Paar nicht mehr existiert, als Eltern habt ihr auch künftig viele gemeinsame Aufgaben zu lösen. 

 

Bleibe klar

Wenn Schluss ist, ist Schluss! Da musst du jetzt durch. Schlussmachen ist keine Generalprobe sondern der einzige und finale Auftritt. Bleibe klar, auch wenn du siehst, wie sehr dein Partner leidet. Hinhalten und Doppelbotschaften machen es für dein Gegenüber noch viel schlimmer. Er wird sich an jede kleine Hoffnung, die du ihm machst, in der kommenden Zeit klammern, das verlängert den Schmerz unnötig. Deshalb solltest du dich auf dieses Gespräch sehr gut vorbereiten. Überlege dir vorher, was du sagen willst. Was hat dir gefehlt, warum fühlt sich die Beziehung nicht mehr richtig an? Gestritten und gekämpft habt ihr im Vorfeld der Trennung wahrscheinlich schon genug. Es bringt nichts, diese Themen jetzt noch einmal zu diskutieren. Bleibe stattdessen wertschätzend und sage, dass es dir leid tut, dass der andere trotzdem ein ganz wunderbarer und liebenswerter Mensch ist, auch wenn sich deine Gefühle verändert haben. Dein Partner wird vermutlich in einen Schockzustand geraten, darauf musst du vorbereitet sein. Und du bist jetzt nicht derjenige, der trösten kann und darf. Schlussmachen und Trösten – das passt nicht zusammen. Für diese Aufgaben sind ab sofort andere zuständig. Dein Auftritt ist an dieser Stelle beendet, du musst von der Bühne abtreten!

 

Schlussmachen per SMS oder E-Mail 

ist völlig indiskutabel. In Zeiten von Tinder & Co. greift diese Unsitte sehr stark um sich. Auch wenn die Beziehung nur kurz war oder über größere Distanzen geführt wurde – ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht hat jeder verdient. Aus der Erfahrung in meiner Praxis kann ich sagen, dass eine digitale Trennung der blanke Horror für die Verlassenen ist. Das Selbstwertgefühl, das bei einer Trennung immer leidet, wird auf diese Weise noch viel tiefer geschädigt. „Bin ich ihm / ihr so wenig wert gewesen, dass er / sie mir das nicht persönlich sagen konnte?“ Tu das deinem Partner nicht an. Diese Fragen können sehr quälend sein und den Liebeskummer enorm verstärken und in die Länge ziehen. Egal wie schwer dir das Gespräch fällt – es gehört zu einer fairen Trennung einfach dazu und ist Ausdruck des oben genannten Respekts.

 

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Wir können ja Freunde bleiben…    

Nein, könnt ihr nicht. Im Zweifel nährt so ein Satz nur die Hoffnung, dass es ein Zurück gibt. Vielleicht geht es mit einem großen zeitlichen Abstand irgendwann einmal wieder, aber ganz sicher nicht sofort. Klarheit hilft bei der Akzeptanz und schont dich und dein Gegenüber vor dem Stress eines ewigen Hin und Her. Auch du musst jetzt ohne diesen Menschen, von dem du dich getrennt hast, auskommen. Du bist derjenige, der verlassen hat, du bist nicht der Tröster. Bleib fair: Dein Gegenüber braucht jetzt Zeit und Raum, um den Kummer zu verarbeiten. Distanz ist für den Heilungsprozess entscheidend; jeder Kontakt, den dein Expartner zu dir hat, wirft ihn zurück. Erfahrungsgemäß ist absolute Abstinenz (zumindest in der Zeit nach der Trennung) das Beste für die Verlassenen. Hilf deinem Ex-Partner dabei und geh auf Abstand. Nimm nur Kontakt auf, wenn es wirklich etwas zu besprechen gibt. Und dann bleibe möglichst kurz und sachlich. Auch wenn das hart klingt, aber für die Verlassenen ist das sehr hilfreich. 

Das Beenden einer Beziehung ist immer eine große und oft schmerzhafte Entscheidung. Aber mach dir bewusst, dass dieser Schritt auch Chancen bietet. Mit einem anderen Partner kannst du vielleicht deine Vorstellung von einer gelingenden Partnerschaft besser leben.

 

 

 

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