Wie finde ich den richtigen Mann?

paar streit

"Wie finde ich den richtigen Mann?" Diese Frage wird in meiner Hamburger Praxis Herzkümmerei häufig gestellt. So auch von Anna, die vor einem halben Jahr zu mir kam. Anna, eine sehr attraktive, lebenslustige und beruflich erfolgreiche Frau Mitte 30, ist seit über einem Jahr auf der Suche nach einem neuen Partner. 

Sie sucht nicht nach einem Flirt, sondern nach einem Mann, mit dem sie leben und endlich auch eine Familie gründen kann. Sie datet schon seit längerem über Plattformen. In einigen Fällen hat sich daraus auch tatsächlich eine Beziehung ergeben, die aber schon nach kurzer Zeit wieder zu Ende war. Die vermeintlichen Prinzen verwandelten sich schon nach kurzer Zeit in Frösche. „Irgendwie habe ich offenbar immer Pech. Die Partnersuche kommt mir langsam vor wie ein Glücksspiel, ich ziehe aber immer nur die Niete, nie den Hauptgewinn. Warum gerate ich immer wieder an den Falschen und was kann ich tun, um endlich den richtigen Mann zu finden?“

 Hat Anna tatsächlich nur Pech oder steckt vielleicht ihr eigenes Bindungssystem dahinter?  

Warum gerate ich immer wieder an den Falschen?

Anna ist mit ihrem Problem nicht alleine. Ganz im Gegenteil, sie befindet sich in guter Gesellschaft mit vielen anderen Singles. Nicht umsonst haben die unterschiedlichsten Dating-Plattformen Hochkonjunktur. 

 

Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass wir nicht zufällig an den Falschen geraten. Ganz im Gegenteil, wir suchen uns ganz gezielt immer wieder den Falschen. Am Anfang scheint alles noch sehr stimmig, aber später stellt sich dann doch heraus, dass der Mensch, in den wir uns verliebt haben, uns eher unglücklich macht, im schlimmsten Fall sogar schadet. Warum ist das so?

 

Vor einigen Jahren bin ich auf die Psychologin Rachel Heller und den Psychiater Amir Levine gestoßen, die sich als Beziehungsforscher mit genau dieser Fragestellung wissenschaftlich beschäftigt haben. Die beiden Amerikaner sind zu der Erkenntnis gekommen, dass sich fast jeder Mensch einem von drei Beziehungstypen zuordnen lässt. Grundsätzlich gehen sie davon aus, dass unser Bindungsverhalten und vor allem unsere frühen Beziehungsgeschichten sich maßgeblich auf unser Verhalten bei der Partnersuche und unseren Beziehungsalltag auswirken. Die Beziehungserfahrungen, die wir in den ersten drei Lebensjahren machen, sind prägend. Unbewusst wiederholen wir auch als Erwachsene das, was wir als Kinder erlebt haben. 

Welcher Beziehungstyp bist du?

Aber zurück zu Heller und Levine:  Sie unterscheiden zwischen drei Beziehungstypen: Sicher, ängstlich und vermeidend. Ich habe mich lange mit diesem Modell beschäftigt und finde es so  überzeugend, dass ich es mittlerweile mit gutem Erfolg in meiner Coachingpraxis eingesetzt habe.

 

Der ängstliche Beziehungstyp – Hier geht es um Unsicherheit!

Wie tickt der ängstliche Beziehungstyp? In Kürze: Er braucht viel Nähe und sorgt sich, ob sein Partner ihn genügend liebt. Er neigt dazu, es anderen recht machen zu wollen und passt sich deshalb sehr schnell an. Eigene Bedürfnisse und Vorstellungen werden häufig zurückgestellt. Aber Achtung: Der ängstliche Beziehungstyp kann auch richtig Stress machen. Wenn er sich zurückgewiesen fühlt, neigt er zum Protestverhalten.  

 

Der vermeidende Beziehungstyp – Liebe auf Distanz 

Wie tickt der vermeidende Beziehungstyp? Er setzt Intimität häufig mit dem Verlust von Unabhängigkeit gleicht und setzt auf Distanz. Charakteristisch ist das Senden zweideutiger Signale.

 

Der sichere Beziehungstyp – Nähe willkommen

Wie tickt der sichere Beziehungstyp? Er fühlt sich mit Nähe wohl und ist in der Lage, stabile Partnerschaften zu führen.   

unser Bindungssystem beeinflusst unsere Partnerwahl

Konntest du dich in einem der drei Typen wiederfinden? Anna fand im Coaching-Prozess heraus, dass sie ein „ängstlicher Beziehungstyp“ ist. Wir haben uns Annas Kindheit genau angeschaut und herausgefunden, dass sie als kleines Mädchen immer um die Liebe ihrer Mutter kämpfen musste. Schon als junges Kind hatte sie immer das Gefühl, es ihrer Mutter nicht recht machen zu können. Nur wenn sie sich an die Wünsche und Vorstellungen der Mutter maximal anpasste, bekam sie die Liebe und Aufmerksamkeit, nach der sie sich so sehr sehnte. Verkürzt gesagt: Die kleine Anna lernte sehr früh, dass nur Anpassung und Wohlverhalten mit Liebe beantwortet wird. Sie war als Kind nicht sicher gebunden. 

 

Bildungsstile, die wir in der Kindheit entwickeln, kommen mit fast 80prozentiger Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenfall zum Einsatz. So auch bei Anna: Mit nahezu schlafwandlerischer Sicherheit hat sie sich immer in „vermeidende Beziehungstypen“ verliebt. Die Männer, denen sich Anna zugewandt hat, waren durchweg äußerlich sehr attraktiv und beruflich erfolgreich. Sie strahlten Selbstsicherheit und Stärke aus – etwas, nach dem Anna sich so sehr sehnt. Aber diese Männer waren auch von Anfang an emotional distanziert und haben sehr auf ihre Unabhängigkeit gesetzt. Das hat bei der „ängstlichen“ Anna zu großer Unruhe bis hin zu Panik geführt. Je mehr sich die Männer zurückzogen umso mehr hat Anna sich bemüht, alles „richtig“ zu machen. Sie hatte ständig das Gefühl, um Aufmerksamkeit und Zuwendung kämpfen zu müssen – ganz wie als Kind bei ihrer Mutter. Am Ende waren die Männer von ihrer genervt und Anna frustriert  - wieder mal ein trauriges  Ende einer Beziehung.      

Wir verlieben uns oft in das, was uns selber fehlt

Unbewusst suchen wir beim Anderen oft das, was uns selber fehlt. Am Beispiel Anna: Sie sucht nach der Autonomie, die ihr fehlt. Die Kombination „ängstlich-vermeidend“ kommt tatsächlich sehr häufig vor. Anna ist ein gutes Beispiel dafür. Unbewusst sucht sie sich Männer, die das haben, was ihr fehlt: Autonomie. Umgekehrt ist Anna für diese Männer perfekt. Sie lässt sich sehr viel gefallen, ihre Partner können ihr Distanzverhalten in dieser Beziehung gut leben. So eine Beziehung kann eine Weile gut halten, aber sie ist von starker Unsicherheit und Unzufriedenheit geprägt. Kernkonflikt in diesen Beziehungen ist das Thema „Distanz – Nähe“. Das wurde Anna auch im Laufe des Coachings klar.          

Wie finde ich den richtigen Mann?

Auf keinen Fall ist die Lösung, hinter diesen Männern herzulaufen. Telefonterror, Kontrolle, Konfrontation – all das ist destruktiv. Ein unsicherer Beziehungstyp lässt sich nicht „einfangen“, das musste auch meine Klientin schmerzhaft erfahren. Aber die Bedürfnisse nach Nähe und Verbundenheit lassen sich andererseits auch nicht weg reden.

Und nun? Ich habe mit Anna an einem Strategiewechsel gearbeitet und sie ermuntert, ihre Bedürfnisse zu akzeptieren und sie ihren Dating-Partnern gegenüber früh klar zu äußern. Sie hat im Laufe der Zeit ein „Frühwarnsystem“ entwickelt, um nicht immer wieder in alte Beziehungsmuster zu rutschen. Ihre klare Kommunikation hat dazu geführt, dass sich einige Männer schnell wieder davon gemacht haben. Aber was soll’s: Das sind ja auch nicht die, die Anna will. Hier Energie rein zu legen, ist letztlich verschwendete Zeit.     

 

Stattdessen haben wir uns mit dem „sicheren Beziehungstyp“ näher beschäftigt. Das ist nämlich genau der Typ Mann, der Anna guttun würde. Er ist zuverlässig  und vermittelt ihr die Sicherheit, die sie eigentlich so sehr braucht. Bisher fand Anna diese Männer aber immer sehr unsexy. Für sie gehörten sie mehr in die Kategorie „Kumpel oder guter Freund“. Toll zum Reden, aber irgendwie auch ein bisschen langweilig. Als potenzielle Partner hat sie diese Männer schnell aussortiert. Die fehlende Aufregung wurde von Anna automatisch als fehlende Anziehungskraft interpretiert. Es ist eben nicht so einfach, eine langjährige Gewohnheit abzulegen und ein neues Beuteschema zu entwickeln.

So wird der Frosch zum Prinz

Egal ob ängstlicher oder vermeidender Beziehungstyp  - wir sind wie wir sind, und das ist erst einmal gut so. Negativbewertungen sind hier nicht hilfreich und nicht angebracht. Natürlich können wir alle gute und erfüllende Partnerschaften leben. Wichtig ist, dass wir erkennen, was wir in Beziehungen wirklich brauchen, um uns gut zu fühlen. Brauche ich viel Nähe oder eher mehr Distanz? Komm dir   selbst auf die Spur und vergeude deine Zeit nicht mit Partnern, die dir nicht guttun.

Wie ging es weiter mit Anna? Anna ist noch einige Male „rückfällig“ geworden. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis sie ihr Beziehungsmuster wirklich verstanden hat. Vor einigen Wochen hat sie mich noch einmal angerufen. Sie hatte einen Mann kennen gelernt, der ganz anders als all seine Vorgänger war. Anna hat ihn mir detailliert beschrieben. Er schien mehr in die Kategorie „sicherer Bindungstyp“ zu gehören. Anna war noch etwas verhalten; sie konnte ihr Glück noch nicht ganz fassen. Ich hoffe und wünsche ihr sehr, dass sie ihren Prinzen gefunden hat.

Alles Gute auch für dich, deine Herzkümmerin Heike Klopsch

 

 


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